Natürliche Bedingungen

„Die Herausforderungen der brandenburgischen Streusandbüchse“

Ackerland © MLUL; OffergeldDie gegenwärtige Agrarstruktur in Brandenburg hat ihre Wurzeln bereits in der Ausdehnung des deutschen Siedlungsgebiets im 11. und 13. Jahrhundert. Schon zu dieser Zeit waren große Güter östlich der Elbe nötig, um im Land der leichten Böden mit geringer Bodenfruchtbarkeit entsprechende Erträge zu erzielen. Bis in die heutige Zeit bilden die natürlichen Bedingungen mit ertragsschwachen, oft sandigen Böden und wenig Niederschlag (lediglich 560 l/m², Durchschnittsmenge pro Jahr, 2016 "Niederschlagsschlusslicht") den Produktionsrahmen für unternehmerisches Handeln in der Landwirtschaft.

Karte: Benachteiligte Gebiete in BrandenburgNeues Fenster: Bild vergrößernKarte: Benachteiligte Gebiete in Brandenburg

75 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche Brandenburgs gelten als benachteiligt.

Die Ertragsfähigkeit der Landwirtschaftlichen Nutzflächen wird mit der Kenngröße Ackerzahl bzw. Grünlandzahl bewertet. Diese liegen in Brandenburg je Hektar im Durchschnitt bei unter 35 (siehe auch Karte zur Bodengüte). Im Bundesland Hessen beträgt dieser Durchschnittswert 54.

Hinzu kommen die Witterungsextreme der letzten Jahre, wie Hochwasser oder langanhaltende Dürre. Gemäß Statistischem Bundesamt (Agrarstrukturerhebung 2016 - Bewässerung in landwirtschaftlichen Betrieben) bestand 2015 für nur 420 Betriebe auf 39.300 Hektar LF (Freilandflächen) überhaupt die Möglichkeit zur Bewässerung. Derzeit nutzen sie rund 390 Betriebe auf 24.400 ha landwirtschaftlich genutzter Fläche, entweder vornehmlich über Beregnungsanlagen oder Tropfbewässerung). Die bewässerte Fläche beträgt 5,4 Prozent der bundesweit bewässerten Fläche.

Abgrenzungskriterien als benachteiligte Agrarzone sind die Landwirtschaftliche Vergleichszahl (LVZ) der Gemeinde mit 28 bzw. 32,5 (Abhängig vom Grünlandanteil),  eine Bevölkerungsdichte von max. 130 Einwohnern je km² sowie ein Mindestanteil der landwirtschaftlichen Erwerbsbevölkerung von 15 Prozent.

Die benachteiligten Gebiete werden nach Vorgaben der Europäischen Union abgegrenzt. Damit derartige Landwirtschaftsflächen nicht brach fallen und weiter bewirtschaftet werden, gewährt das Land Brandenburg eine Beihilfe, die sogenannte Ausgleichszulage (AGZ). Diese eindeutige Entscheidung zeigt den politischen Willen der Landesregierung eine flächendeckende Landwirtschaft in Brandenburg zu sichern und zu stärken.

 

Förderung von landwirtschaftlichen Unternehmen in benachteiligten Gebieten (AGZ) des Landes Brandenburgs im Antragsjahr 2016
Landkreis bewilligte Anträge Auszahlung Förderfläche
Anzahl Euro ha
Barnim 152 759.126 29.212
Dahme-Spreewald 228 1.227.551 49.122
Elbe-Elster 225 1.411.658 56.479
Havelland 210 1.180.150 47.312
Märkisch-Oderland 191 865.764 34.745
Oberhavel 298 1.219.423 48.814
Oberspreewald-Lausitz 111 587.619 23.519
Oder-Spree 252 1.420.587 56.969
Ostprignitz-Ruppin 330 1.964.693 79.089
Potsdam-Mittelmark 345 1.745.226 69.764
Prignitz 316 1.483.689 59.416
Spree-Neiße 181 954.194 37.425
Teltow-Flämimg 173 1.140.077 45.823
Uckermark 138 737.770 29.565
Land Brandenburg Summe 3.150 16.697.527 667.254
Quelle: MLUL; Stand 16.02.2017
 

Neues Fenster: Bild vergrößernDeutschland - Ertragsmesszahlen [1] und Bodengütefaktoren Quelle: Institut für Länderkunde, Leipzig 2002, H. LiedkeDie Finanzierung der AGZ erfolgt aus den umgeschichteten Mitteln der Direktzahlungen aus der 1. Säule in die 2. Säule zur Förderung der ländlichen Räume. Im Zeitraum von 2015 bis 2017 gibt es 25 Euro/ha für Ackerland und Grünland in benachteiligten Gebieten ohne Bindung an den Viehbestand. Insgesamt stellen die Europäische Kommission, die Bundes- und Landesregierung bis zum Jahre 2020 für die AGZ 138 Millionen Euro zur Verfügung.

Auf diese oft mangelhaften Verhältnisse, im wahrsten Sinne des Wortes, haben sich die Bäuerinnen und Bauern gut eingestellt. Seit Jahren hält in Brandenburg der Roggen als sehr genügsame Getreideart eine Spitzenposition im Anbau (vorläufig 2016: 176.000 Hektar), da er auf den sandigen Böden und bei niedrigen Regenmengen relativ sichere Erträge liefert. Ein Großteil des Roggens wird heute als Viehfutter verwendet.

Im Jahr 2016 stellt Silo- und Körnermais mit 199.000 Hektar (vorläufig) vor Roggen die flächenbestimmende Fruchtart in der Brandenburger Landwirtschaft dar. Silomais für die Biogaserzeugung umfasst dabei einen Anteil von schätzungsweise 65.000 bis 70.000 ha an der Gesamtfläche (LELF).

Im deutschlandweiten (100 Prozent) Flächenvergleich ist das Land Brandenburg beim Anbau von Körnersonnenblumen (64 Prozent), Süßlupinen (57 Prozent) und Roggen (30 Prozent) führend.

Spitzenplätze hält Brandenburg zudem im Anbau von Spargel, Gurken sowie Sanddorn. Mit einem bundesweiten Anteil der ökologisch bewirtschafteten Fläche von fast 12 Prozent (2016) ist Brandenburg nach Bayern und Baden-Württemberg hier dominierend.

Die Rapsanbaufläche liegt mit 134 Tausend Hektar bei 10 Prozent im deutschlandweiten Vergleich (Rang 3) und damit über dem Bundesdurchschnitt. In Mecklenburg-Vorpommern liegt der Anteil noch deutlich höher bei 17 Prozent und 228 Tausend Hektar. 

    

Brandenburger Betriebsstatistik 2013    
   Ackerzahl   Betriebe LF
Anzahl ha
0 bis 20 92 4.539
20 bis 30 1.933 408.456
30 bis 40 2.740 678.686
40 bis 50 684 190.996
50 bis 60 120 28.647
60 bis 70 7 81
70 bis 80 2 1.036
80 bis 90 1 1
90 bis 100 0 0
    5.579 1.312.442
Quelle: Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung (LELF)
Mittlere Ackerzahl bzw. Grünlandzahl der genutzten LF in den Landkreisen des Landes Brandenburg
Land Brandenburg 33,8
Barnim 32,7
Dahme-Spreewald 28,8
Elbe-Elster 32,6
Havelland 35,9
Märkisch-Oderland 39,4
Oberhavel 29,9
Oberspreewald-Lausitz 30,7
Oder-Spree 29,7
Ostprignitz-Ruppin 31,3
Potsdam-Mittelmark 31,5
Prignitz 35,0
Spree-Neiße 31,7
Teltow-Fläming 32,2
Uckermark 39,6
Quelle: Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung (LELF); 2013

Mit Kennzeichnung der "Natürlichen Standorteinheiten (Areale mit annähernd gleichartigen natürlichen Bedingungen für die landwirtschaftliche Produktion) der Böden" werden bereits für die benachbarten Bundesländer Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern erhebliche Unterschiede deutlich. 

Natürliche Standorteinheiten der Böden in Brandenburg © LELF; Dr.Lau

Natürliche Standorteinheiten der Böden in Mecklenburg-Vorpommern © LELF; Dr.Lau

 

Zur Karte: Deutschland - Ertragsmesszahlen und Bodengütefaktoren
Die Ertragsmesszahl (EMZ) errechnet sich aus der Fläche des zu betrachtenden Teilstückes und der Ackerzahl:
EMZ= Flächengröße (ha) /1 Ar x AZ
(1 Ar =100m²)
Die EMZ eines Hektares beträgt bei AZ 32 : 3.200
Die EMZ von 100 m² beträgt bei AZ 32 : 32
Die EMZ für ein Ar (=100m²) liegt zwischen 7 und 100, wobei dem besten Boden die Wertzahl 100 zugeordnet ist.
 

 
Letzte Aktualisierung: 03.08.2017