Natürliche Bedingungen

„Die Herausforderungen der brandenburgischen Streusandbüchse“

Ackerland © MLUL; OffergeldDie gegenwärtige Agrarstruktur in Brandenburg hat ihre Wurzeln bereits in der Ausdehnung des deutschen Siedlungsgebiets im 11. und 13. Jahrhundert. Schon zu dieser Zeit waren große Güter östlich der Elbe nötig, um im Land der leichten Böden mit geringer Bodenfruchtbarkeit entsprechende Erträge zu erzielen. Bis in die heutige Zeit bilden die natürlichen Bedingungen mit ertragsschwachen, oft sandigen Böden und wenig Gesamtniederschlag (lediglich 560 l/m², Durchschnittsmenge pro Jahr, 2016 "Niederschlagsschlusslicht") den Produktionsrahmen für unternehmerisches Handeln in der Landwirtschaft. Zudem führen Frostereignisse, Frühsommertrockenheit und die Zunahme von Extremwetterereignissen (z.B. Starkregen/Hagel) erschwerend zu einem deutlich erhöhten Produktionsrisiko.

Karte Benachteiligte Gebiete in Brandenburg und Berlin 2018Neues Fenster: Bild vergrößernBenachteiligte Gebiete © MLUL

Rund 80 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche Brandenburgs gilt seit 2018 als benachteiligt.

Die Ertragsfähigkeit der Landwirtschaftlichen Nutzflächen wird mit der Kenngröße Ackerzahl bzw. Grünlandzahl bewertet. Diese liegt in Brandenburg je Hektar im Durchschnitt bei unter 35 (siehe auch Karte zur Bodengüte). Im Bundesland Hessen beträgt dieser Durchschnittswert 54.

Hinzu kommen die Witterungsextreme der letzten Jahre, wie Hochwasser oder langanhaltende Dürre. Gemäß Statistischem Bundesamt (Agrarstrukturerhebung 2016 - Bewässerung in landwirtschaftlichen Betrieben) bestand 2015 für nur 420 Betriebe auf 39.300 Hektar LF (Freilandflächen) überhaupt die Möglichkeit zur Bewässerung. 2015 nutzten sie rund 390 Betriebe auf 24.400 ha landwirtschaftlich genutzter Fläche, entweder vornehmlich über Beregnungsanlagen oder Tropfbewässerung. Die bewässerte Fläche betrug 5,4 Prozent der bundesweit bewässerten Fläche.

Die benachteiligten Gebiete werden nach Vorgaben der Europäischen Union abgegrenzt. Damit derartige Landwirtschaftsflächen nicht brach fallen und weiter bewirtschaftet werden, gewährt das Land Brandenburg eine Beihilfe, die sogenannte Ausgleichszulage (AGZ). Diese eindeutige Entscheidung zeigt den politischen Willen der Landesregierung eine flächendeckende Landwirtschaft in Brandenburg zu sichern und zu stärken.

 

Förderung von landwirtschaftlichen Unternehmen in benachteiligten Gebieten (AGZ) des Landes Brandenburgs im Antragsjahr 2017
Landkreis bewilligte Anträge Auszahlung Förderfläche
Anzahl Euro ha
Barnim 155 990.954 39.654
Dahme-Spreewald 233 1.500.508 60.025
Elbe-Elster 236 1.876.652 75.066
Havelland 214 1.510.622 60.545
Märkisch-Oderland 195 1.150.558 46.091
Oberhavel 306 1.656.548 66.315
Oberspreewald-Lausitz 113 778.827 31.194
Oder-Spree 268 1.904.884 76.295
Ostprignitz-Ruppin 353 2.646.179 106.412
Potsdam-Mittelmark 380 2.391.350 95.723
Prignitz 329 2.136.967 85.616
Spree-Neiße 191 1.223.338 48.941
Teltow-Flämimg 169 1.556.860 62.452
Uckermark 148 896.337 35.914
Land Brandenburg Summe 3.290 22.220.584 890.245
Quelle: MLUL; Stand 11.04.2018
 

Neues Fenster: Bild vergrößernDeutschland - Ertragsmesszahlen [1] und Bodengütefaktoren Quelle: Institut für Länderkunde, Leipzig 2002, H. LiedkeDie Finanzierung der AGZ erfolgt aus den umgeschichteten Mitteln der Direktzahlungen aus der 1. Säule in die 2. Säule zur Förderung der ländlichen Räume. Betriebinhaber/innen erhalten 25 Euro/ha landwirtschaftlich genutzter Fläche in benachteiligten Gebieten. Insgesamt stellen die Europäische Kommission, die Bundes- und Landesregierung bis zum Jahre 2020 für die AGZ 138 Millionen Euro zur Verfügung.

Auf diese oft mangelhaften Verhältnisse, im wahrsten Sinne des Wortes, haben sich die Bäuerinnen und Bauern gut eingestellt. Seit Jahren hält in Brandenburg der Roggen als sehr genügsame Getreideart eine Spitzenposition im Anbau (2017: 160.400 Hektar), da er auf den sandigen Böden und bei niedrigen Regenmengen relativ sichere Erträge liefert. Ein Großteil des Roggens wird als Viehfutter verwendet.

Im Jahr 2017 stellt Silo- und Körnermais mit 210.400 Hektar vor Roggen die flächenbestimmende Fruchtart in der Brandenburger Landwirtschaft dar. Silomais für die Biogaserzeugung umfasst dabei einen Anteil von schätzungsweise 70.000 ha an der Gesamtfläche (LELF).

Im deutschlandweiten (100 Prozent) Flächenvergleich ist das Land Brandenburg beim Anbau von Körnersonnenblumen (57 Prozent), Süßlupinen (42 Prozent) und Roggen (30 Prozent) führend. Spitzenplätze hält Brandenburg zudem im Anbau von Spargel, Gurken, Sanddorn und Aronia- sowie Kulturheidelbeeren.

    

Brandenburger Betriebsstatistik 2013    
   Ackerzahl   Betriebe LF
Anzahl ha
0 bis 20 92 4.539
20 bis 30 1.933 408.456
30 bis 40 2.740 678.686
40 bis 50 684 190.996
50 bis 60 120 28.647
60 bis 70 7 81
70 bis 80 2 1.036
80 bis 90 1 1
90 bis 100 0 0
    5.579 1.312.442
Quelle: Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung (LELF)
Mittlere Ackerzahl bzw. Grünlandzahl der genutzten LF in den Landkreisen des Landes Brandenburg
Land Brandenburg 33,8
Barnim 32,7
Dahme-Spreewald 28,8
Elbe-Elster 32,6
Havelland 35,9
Märkisch-Oderland 39,4
Oberhavel 29,9
Oberspreewald-Lausitz 30,7
Oder-Spree 29,7
Ostprignitz-Ruppin 31,3
Potsdam-Mittelmark 31,5
Prignitz 35,0
Spree-Neiße 31,7
Teltow-Fläming 32,2
Uckermark 39,6
Quelle: Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung (LELF); 2013

Mit Kennzeichnung der "Natürlichen Standorteinheiten (Areale mit annähernd gleichartigen natürlichen Bedingungen für die landwirtschaftliche Produktion) der Böden" werden bereits für die benachbarten Bundesländer Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern erhebliche Unterschiede deutlich. 

Natürliche Standorteinheiten der Böden in Brandenburg © LELF; Dr.Lau

Natürliche Standorteinheiten der Böden in Mecklenburg-Vorpommern © LELF; Dr.Lau

 

Zur Karte: Deutschland - Ertragsmesszahlen und Bodengütefaktoren
Die Ertragsmesszahl (EMZ) errechnet sich aus der Fläche des zu betrachtenden Teilstückes und der Ackerzahl:
EMZ= Flächengröße (ha) /1 Ar x AZ
(1 Ar =100m²)
Die EMZ eines Hektares beträgt bei AZ 32 : 3.200
Die EMZ von 100 m² beträgt bei AZ 32 : 32
Die EMZ für ein Ar (=100m²) liegt zwischen 7 und 100, wobei dem besten Boden die Wertzahl 100 zugeordnet ist.
 

 
Letzte Aktualisierung: 07.05.2018