Bergbaufolgelandschaften

"Wir heilen Landschaften"

Bergbaufolgelandschaft © MLUL; Offergeld Forschungsinstitut für Bergbaufolgelandschaften e.V. (FIB)

Das im Juni 1992 auf Empfehlung des Wissenschaftsrates gegründete Forschungsinstitut für Bergbaufolgelandschaften e.V. (FIB) in Finsterwalde erarbeitet Lösungen für eine Revitalisierung der durch Rohstoffgewinnung beanspruchten Landschaften. Dies betrifft insbesondere den großflächigen Braunkohlentagebau im Lausitzer und Mitteldeutschen Revier. Arbeitsschwerpunkte sind die land- und forstwirtschaftliche Rekultivierung, Fragen zur Boden- und Gewässersanierung sowie das integrative Landschaftsmanagement.

Davon ausgehend werden Prognoseinstrumente und Anpassungsstrategien für andere, durch menschliche Aktivitäten „gestörte“ Räume und Ökosysteme erarbeitet. Dies betrifft insbesondere die Auswirkungen klimatischer Veränderungen und den nachhaltigen Anbau nachwachsender Rohstoffe auf ertragsschwachen und marginalen Standorten.

Somit zielen die Arbeiten des FIB nicht nur auf ein tiefergehendes Verständnis von Prozessen und Ökosystemen oder eine Modellierung des komplexen Landschaftsgefüges, sondern vielmehr auf die Entwicklung effizienter Verfahrenslösungen einschließlich ihrer technologischen Umsetzung. Die Ergebnisse sollen politische Entscheidungen unterstützen, sie münden in Planverfahren, Richtlinien und Handlungsempfehlungen.

Für den anwendungsbezogenen Anspruch stehen beispielhaft zwei für das Land Brandenburg bedeutsame und mit öffentlichen Mitteln finanzierte Forschungsaufträge im Bereich der Land- und Wasserbewirtschaftung:

Forschungsinstitut für Bergbaufolgelandschaften e.V.
Standort: 03238 Finsterwalde, Brauhausweg 2
Gründungsjahr: 1992
Institutsleitung: Dr. rer. nat. Michael Haubold-Rosar
Kennzahlen 2014 2015 2016 2017
Haushalt ( Mio €) 3,123 2,484 2,247 2,597
Förderanteil BB in €  673.000 632.000 663.591 695.331
Mitarbeiter (VBE) 22 25 26 26
Ausbildung (Praktikanten, Bachelor, Master) 20 18 20 9

Weiterbildung/Lehrveranstaltungen/Tagungen

- Teilnehmer

5

130

7

200

9

250

11

380

Berufungen/Lehraufträge 0 0 2 2
Verbundvorhaben/Netzwerke 5 4 6 6
Veröffentlichungen (wiss. + praxisorientiert) 12 14 13 10
Hinweis: Haushalt und Förderanteil BB ohne EFRE-Baumaßnahmen
Quelle: FIB Finsterwalde 

Website: www.fib-finsterwalde.de


Aktuelle Forschungsthemen:

Thema "Klimarisikoregion Brandenburg" und Bewässerungslandbau

Projekt Präzisionsbewässerung (EIP) (http://eip-pi-bb.de/de/)

Vielerorts speichern landwirtschaftlich genutzte Böden in Brandenburg das Niederschlagswasser nur unzureichend, weshalb mancher Betrieb in sommertrockenen Jahren um seine Erträge bangt. Der Einsatz moderner Großberegnungsmaschinen verspricht Abhilfe, ist aber kostenintensiv und beansprucht die wertvollen Grundwasserreserven. "Bedarfsgerecht bewässern" heißt daher die Devise und bedeutet, dass jede Kulturpflanze nur so viel Wasser erhält, wie sie für ihre optimale Entwicklung benötigt. Dazu müssen die erforderlichen Informationen vor Ort in "Echtzeit" gewonnen und automatisch zu teilflächenspezifischen Bewässerungsmengen verrechnet werden.

Eine mögliche Lösung bietet die Messung der Oberflächentemperatur der Pflanzen, da diese mit zunehmendem Wasserstress ansteigt. Es fehlt allerdings noch eine auf hiesige Verhältnisse anwendbare Methodik, wie sich solche "Wärmebilder" in  Bewässerungsempfehlungen übersetzen lassen. Auch die Anlagentechnik muss für eine teilflächengenaue Wasserverteilung nachgerüstet werden. Die erforderliche Entwicklungsarbeitet leistet das FIB e.V. gemeinsam mit Praxispartnern aus Landwirtschaft, Gewerbe und dem Fachverband Bewässerungslandbau Mitteldeutschland e.V. (FBM).

Gefördert wird das Projekt durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds zur Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) und das Land Brandenburg.

Thema "Braune Spree" und Innovative biologische Sanierungsstrategien

Pilotprojekt "Ruhlmühle" -Mikrobieller Eisen- und Sulfatrückhalt im Grundwasserleiter

Mit der großflächigen Absenkung des Grundwasserspiegels im Lausitzer Braunkohlenrevier wird der Untergrund belüftet. Daraufhin zerfallen Eisensulfidminerale wie Pyrit und Markasit (FeS2) - ihre Folgeprodukte Eisen (Fe) und Sulfat (SO4) lassen sich mit dem nachbergbaulichen Wiederanstieg des Grundwassers auch in den Fließgewässern finden. So resultiert die markante Braunfärbung der Spree und zahlreicher kleinerer Fließe aus dem gelösten Eisen, welches nach seiner Ausfällung ("Verockerung") den Lebensraum für Fische, Insektenlarven und Unterwasserpflanzen bedroht.

Um Eisen und Sulfat erst gar nicht in die Spree gelangen zu lassen, betreibt das FIB e.V. im Auftrag der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) seit Ende 2014 eine Pilotanlage an der Ruhlmühle bei Neustadt/Spree. Noch bevor das Grundwasser in das Oberflächengewässer gelangt, wird die Pyrit- bzw. Markasitverwitterung im Untergrund auf biologischem Wege "umgekehrt". Im direkten Abstrom zur Spree hin sind die Eisenkonzentrationen bereits von fast 500 mg/l um mehr als 75 %, die Sulfatkonzentrationen von ursprünglich 1.100 mg/l um mehr als 70 % verringert worden. Dieses biologische Sanierungsverfahren lässt sich über viele Jahre betreiben, ohne dass der Grundwasserfluss behindert oder die Umwelt gefährdet werden.

Letzte Aktualisierung: 28.03.2018